Jeder der in den letzen 20 Jahren (gefühlt) einen Indie/Electro-Club von Innen gesehen hat, hat es schon einmal gehört: “Because wwwwwwwwwwe – arrrrrrrrrrrrre – your-friennnnds!” Visueller eindruck dazu: Vom Mitgröhlen verzerrte Gesichter, verbunden mit möglichst pathosreicher Gestik.
Der Anfangs noch zu Dancefloor-Stoßzeiten aufgelegte und zurecht als einer der freshesten Indie/Electro-Remixes des Jahres 2003 abgefeierte Track, dient heute vielen DJs (denen im Atomic Café in München z.B. schon seit 2006) lediglich noch als finaler Song (oder: Rausschmeißer-Song?) um 4 Uhr Nachts an Donnerstagen.
Dann, wenn das Publikum schon zu besoffen und/oder zu müde ist, um irgendwas neues aufzunehmen, wird eben das altbewährte ausgepackt: Fetter Beat und Mitgröhl-Refrain. Und den Text schafft man selbst mit 3 Promille noch mit links. Aber, trotz des doch relativ heftigen Overplayed-Faktors: Die cool gekreischten Vocals, angezerrte Slapbassline und Retro-Sound: Ein Klassiker der Remix-Kunst!
Die Rede ist, der aufmerksame ElectPro (Achtung, neues Trendwort!) hat das sicher schon erraten, von “We Are Your Friends“, welches die Band Justice auf die Electro-Weltkarte gesetzt hat. (Achja, in der Überschrift stehts ja auch schon, d’oh!)
Aber: Die französische 2-Mann Group, die von Ed Banger Records vertrieben werden (= Daft Punk) hat sich nicht lange auf den Lorbeeren dieser Klasse-Single (50.000 verkaufte Platten) ausgeruht. Zwischenzeitlich haben die beiden Mitt-/Endzwanziger etliche EPs, Remixes und ein Album mit dem catchy Titel † (Cross) released. Auch mit dem Video zur Cross-Single “Stress”, das ohne Statement 5 Minuten Lang randalierende Jugendliche im Pariser Untergrund zeigt, haben die Franzosen Aufsehen erregt. Publicity, publicity!
So haben Justice Mittlerweile “Rockstarstatus” in der Electro-Szene erlangt (man sehe sich nur die Tour-Städte auf ihrer Myspace-Seite an) und man fragt sich: kommen mit
dem -Status auch die -Allüren?
- “A Cross the Universe”
Wer sich die Doku A Cross the Universe der aktuellen USA-Tour anschaut, kann das nur mit “AH OUI” beantworten. Allüren en masse!
Ein Kamerateam hat die Band (Gaspard Augé, Xavier de Rosnay und den Tourmanager) rund um die Uhr auf dem USA-Trip gefilmt und ca. 200 Stunden Filmmaterial aufgezeichnet. Auf die fertige DVD hat es davon noch eine gute Stunde geschafft.
Eine aufs “wesentliche” reduzierte Doku – Es darf dem Zuschauer nicht langweilig werden, so das Motto der Franzosen. Und das ist ihnen eindeutig gelungen: In Szenen, die ein Amerikaner mit einem “Epic!” beschreiben würde, sieht man unter anderem einen Xavier, der weibliche Groupies nicht gerade zimperlich behandelt (z.B übergießt er grenz-drogentote, weibliche Groupies mit Hochprozentigem und wirft gleich das Streichholz hinterher), einen krankhaft waffenvernarrten Tourmanager (der fuchtelt in einem Fastfoodrestaurant mit seiner Monster-Magnum herum, um wenig später in Handschellen abgeführt zu werden) und einen zwar chilligeren, aber genauso durchgeknallten Gaspard, der in Las Vegas eine random Hostesse blitz-heiratet, um am nächsten Tag mit den Worten “Die sehn wir nie wieder!” durchzubrennen.
Insgesamt also krasser shit (auch nicht immer jugendfrei!).
Wehrmutstropfen: Das überzogene Bad Boy Image, das ich Justice so nicht wirklich abnehme (ohne jetzt gleich FAKE sondern eher SKEPSIS zu schreien). Beispiel? Die Band gerät kurz vor Showbeginn auf einem Parkplatz in einen kleinen Streit. Der Zuschauer denkt an nichts böses, der Streit löst sich quasi auf, doch da, erneutes Handgemenge und ZACK: aus dem Nichts zerschlägt Xavier eine Glasflasche auf dem Kopf des Main-Pöblers. Der Getroffene taumelt, wird blutend und halb bewusstlos auf der Straße liegen gelassen, die Justice-Jungs (Hallo, Bandname?!) eilen zurück in den Backstagebereich, Gaspard verbindet Xavier provisorisch die Hand (Glassplitter!) geschockter Zuschauer.
Das Krasse: 10 Minuten Später schrauben die beiden schon wieder vor 5000 Fans unter Stroposkopdauerfeuer am Bitcrusher-Regler als wäre nichts gewesen. Hmmmmmmmkay.
Trotz des Exszess- und Effekthascherei-Overkills, der noch dadurch verstärkt wird, dass fast alles ohne Erklärung oder Kommentar stehen gelassen wird (siehe “Stress”), ist Justice mit der Doku genau das gelungen, was sie vorhatten: Langweile kommt hier nicht auf. Nur allzu ernst sollte man das Gezeigte nicht nehmen, denn, so Xavier in einem Interview: Was auf “A Cross The Universe” zu sehen ist, ist nur “0,5% der Wirklichkeit”. Das sollte man halt wissen, will man nicht (vorschnell) zu dem Entschluss kommen: “Isch hass Tschassdiss jetzt voll“ (so passiert bei einem Mit-Redakteur
).
Achja, als kleiner Oldschool-back-to-the-roots-Bonus: Zahllose “Weee-arrrre-yyyyooouuurrr-friends”-Samples im Liveset-Mitschnitt des San Franzisco-Gigs, von dem jedoch leider zu wenig auf der DVD gelandet ist. Nächstes mal bitte mehr Musik, Justice! Und bitte bald “nächstes Mal” (neues Album?)!
Die DVD gibts z.B. bei Amazon in der Standardversion hier und als limited Edition hier
.










Dank der Doku meine Helden.
hihihi
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