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Text: Nadine
[ 20. Januar 2010 | 4 Kommentare ]

DSC05472 Es hat eine Woche gedauert, bis ich mich überwinden konnte einen Bericht über das       The XX Konzert in Frankfurt zu schreiben.

Ich wollte das Wort Enttäuschung einfach nicht in einem Text über diese großartige  Band verwenden und dennoch glaubte ich, den Konzertabend nicht anderes beschreiben zu können.

Nach gestrigem nächtlichen Spaziergang mit dem wunderbaren, `09 veröffentlichten Debütalbum im Ohr, bin ich mir wieder völlig sicher, dass das Konzert nichts an meiner Begeisterung für die Musik der jungen Briten geändert hat und kann guten Gewissens schwarz auf weiß geschrieben sehen, dass es nicht das war, was ich erwartet hatte.

13.1.10. Batschkapp: 21:15 Uhr. Es steht eine lange Schlange vor den Türen, allgemeines Gezittere, ein paar Schneeflocken verirren sich in Bierflaschenhälsen. Sie werden, zusammen mit dem eisgekühlten  Inhalt, hektisch und in großen Schlücken noch kurz vor dem Einlass in die Mägen junger Styler und älterer Musikliebhaber gespült.

Alle, die sich heute Abend hier eingefunden haben, besitzen schon seit über einem Monat eine Karte für das ausverkaufte Konzert und für viele wird es das erste Konzert im neuen Jahrzehnt sein.

Der Wartezeit nach zu urteilen, schien es ziemlich voll zu werden. Dass es aber schon bevor die Support Band die Bühne verlassen hat unmöglich sein würde ein Bier zu holen, aufs Klo zu gehen, sich überhaupt zu bewegen, hatte sich wohl kaum jemand vorgestellt.

In der nicht allzu langen Umbaupause (wäre sie – und vor allem der Soundcheck – doch nur ein bisschen länger gewesen) stehen also alle Pimmel an Po,  Brust an Rücken, Schulter an Schulter und Zehenspitze an Ferse. Die meisten haben ihre Jacken noch an, da an eine Jackenabgabe draußen im Hof nicht zu denken ist, und fangen so langsam an sich unwohl zu fühlen.

Erleichterung, als auf der dunklen Bühne zwei weiße X aufleuchten und kurz danach die mittlerweile 3köpfige Band auf die Bühne huscht. Während des gesamten Konzerts herrscht die düstere, unaufdringliche und dadurch umso eindringlichere Atmosphäre des Crystalised Videos. Blaue und rote Strahler umrahmen die Musiker, Diskokugel und Sternenhimmel werden als stimmungsvolle Effekte eingesetzt. Minimale Arrangements, die in Analogie zur Musik mehr Raum für das Wesentliche lassen.

Dass der Auftritt mit dem umwerfenden Intro beginnt überhöre ich fast.  Im letzten Drittel des Saales kann man sich beinahe flüsternd unterhalten. Selbst bei genauem Hinhören kann man keine unterschiedlichen Basstöne erkennen, Texte und Stimmen sind wie durch eine Wand gedämpft, Höhen gehen verloren und die Tiefen verschwimmen zu Brei. Wie oft hatte mich schon allein das Intro mit den rhythmischen Beats und dem beinahe sakralen Gehauche der beiden Sänger umgehauen. Auf dem Konzert kann ich lange nichts von diesem Gefühl des Abhebens, des Getragen Werdens spüren.

Ich bilde mir ein, dass der Sound im Laufe des Konzerts ein bisschen besser wird, kann aber auch nur Wunschdenken sein. Hämisch lacht uns der Soundteufel ins Gesicht, als The XX nach einer Zugabe die Bühne verlassen und ihr Florence and the Machine Remix in den klarsten Tönen und sattesten Bässen über die zuvor verfluchte Batschkapp Anlage dröhnt.

Dies ist auch das erste Mal, dass sich das Publikum bewegt, sich von der Musik mitreißen lässt und echt Begeisterung zu spüren ist, jenseits aller Lippenbekenntnisse zur angesagten Band der Stunde. Die Leute verlassen langsam den Saal, man weiß nicht so recht was man sagen soll. Ich weiß es jetzt:

Ich hoffe sehr, dass dieses nicht mein letztes Live Erlebnis mit The XX sein wird.

Denn trotz Allem bleibt eine Ahnung des unglaublichen Potenzials, das diese jungen Musiker haben, und eine Ahnung der  berührenden Gänsehautstimmung, die unter besseren Bedingungen das Publikum zum andächtigen Schweigen und die Luft zum Glitzern gebracht hätte.

Es bleibt das Staunen über perfekt harmonierende  Stimmen, die im Dialog das tragische Scheitern und zugleich die Schönheit menschlicher Beziehungen verkörpern. Es bleibt das Schaudern über den Mut zur unbegrenzten Hingabe, über die Verwirrungen zweier junger Menschen, die sich öffnen, Schmerz riskieren, sich verwundbar machen und heldenhaft nichts weniger als die Unendlichkeit wollen.

Wish the best for you

Wish the best for me

Wish for Infinity

If it ain`t me

Then give it up

I can`t give it up

4 Kommentare »

  • Michael meint:

    schlechter sound FTL :(

  • Titus meint:

    nächtliche spaziergänge FTW :)

  • zepp meint:

    awlter…

    “die im Dialog das tragische Scheitern und zugleich die Schönheit menschlicher Beziehungen verkörpern”

    “n Mut zur unbegrenzten Hingabe, über die Verwirrungen zweier junger Menschen, die sich öffnen, Schmerz riskieren, sich verwundbar machen und heldenhaft nichts weniger als die Unendlichkeit wollen.”

    copy& paste von

    /www.emostar.de

  • Michael meint:

    kannst ja auf http://www.hartetypen.de gehn wenns dir hier zu emo ist :)

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